Abarth 1000 tc Seitenstreifen

  • Hallo allerseits, vileicht kann mich jemand aufklären was es mit dem Seitenstreifen rot auf sich hat, insbesonderes hinten unterschiedlich. Auf manchen Original fotos ist mir aufgefallen das hinten der spitz nicht immer gleich gross ist. Wahr das Jahrgang bedingt oder 850 und 1000?

  • Hallo Pierre,

    fast richtig von dir vermutet, aber das Thema ist dennoch viel komplexer als man denkt und wird deswegen heutzutage sehr häufig von den spätgeborenen Replikanten falsch gemacht !!! Dein linkes Foto zeigt vermutlich einen ´68er 850TC Corsa, weil das gelbe Karodach bei schwarz-weiss Fotos kaum zu erkennen ist, das rechte Foto zeigt einen ´66er 1000TC Corsa, weil das rote Karodach zu erkennen ist und der Seitenstreifenauslauf hinten noch flach verläuft, siehe unten. Wenn ihr das untenstehende alles gelesen und verstanden habt, dann bitte einmal gefasst in die Garage gehen und schauen was so alles am TC nicht stimmt. So manch einer muss sicher den dekorativen 850 TC-Schriftzug vom Heckdeckel hinten rechts entfernen und gegen das schnöde vierstellige 1000 Anagram austauschen, weil kaum noch einer mit 843 ccm unterm Heckdeckel herumfährt ? Als FIVA-Prüfer für die FIVA-Wagenpässe habe ich da schon manche Tränen laufen gesehen.


    Also, der Carlo Abarth war bekanntlich ein ziemlich ausgewachsener Pedant gewesen und hat bei der "Außentapezierung" seiner 850 TC und 1000 TC Corsa-Versionen (nicht Stradale !) sehr großen Wert darauf gelegt, dass man(n) von außen immer sofort erkennen konnte, aus welchem Produktionsjahr der Renner ist. Der Abarth-Kenner sieht nämlich sofort an der Höhe und dem Verlauf des roten Seitenstreifens aus welchem Produktionsjahr die Rennsemmel stammt, also z.B. aus 66, 67, 68 oder letztlich aus 69. Nur in diesen 4 Produktionsjahren hatte es den roten Seitenstreifen gegeben (beim ´69er 850TC Corsa Grp. 5 auch in gelb s.u.), der von Jahr zu Jahr immer höher (breiter) wurde und im Heckbereich einen immer höher geschwungenen Endauslauf hatte. Die untere Referenzhöhe des oben geführten Seitenstreifens lag immer in der Mitte des Seitenblinkers auf dem vorderen Kotflügel und verlief von dort horizontal bis zur erhabenen "Kotflügelprägung" der hinteren Seitenwand, folgte dieser dann geschwungen bis zum oberen Rand des Rückleuchtengehäuses. Punkt.


    Darüber hinaus signalisierte C.A. und seine Mannen mit der Farbgebung der Karos auf der Dachhaut, lackiert in gelb oder rot, in welcher Hubraumklasse der TC-Corsa startet ! Der 850 TC Corsa hatte deswegen immer die im gelben Farbton lackierten Karoquadrate, und der 1000 TC Corsa immer die im roten Farbton lackierten Karoquadrate auf der Dachhaut gehabt !!! Damit wollte Carlo Abarth u.a. erreichen, dass die Zuschauer an den Rennstrecken von außen immer sofort erkennen konnten, in welcher Hubraumklasse die Rennsemmel genannt worden war (bis 850 ccm oder 1000 ccm), ohne dafür immer ins Programmheft mit der Starterliste schauen zu müssen. Da früher diese beiden Hubraumklassen bei den Rundstreckenrennen regelmäßig zusammengelegt gestartet worden sind, machte es schon einen Unterschied ob die Rennsemmel in der Grp. 2 als 850 TC Corsa über 76 DIN-PS, oder als 1000 TC Corsa über 85 DIN-PS verfügt hat (Werksangabe´67) ! Da in dieser Periode die Rennfotos von den meisten Fotografen in schwarz-weiss gemacht und im Heimlabor entwickelt worden sind, gibt es nur wenige Farb-Fotos mit denen das o.g. erkennbar dokumentiert ist. Hilfreich ist da ein genauer Blick in das Standardwerk "850TC e 1000" von den Brüdern Deganello oder das Designblatt aus 1967 von Cereda/Zano, s.u.


    Jetzt kann man das Ganze noch weiter auf die Spitze treiben, was Carlo Abarth ja auch gemacht hat. Der 850 TC Corsa und der 1000 TC Corsa sind 1966 - 1969 in der FIA-Gruppe 2 homologiert gewesen, wofür eine Jahresproduktion von 1000 Fahrzeugen erforderlich gewesen war. Deswegen trugen diese Renner eine 2 im mittleren vorderen Karo auf der Dachhaut. Darüber hinaus gab es in dieser Periode noch die Spezial-Tourenwagen in der Gruppe 5. Die erlaubten Änderungen sind im Anhang J , Artikel 267 aufgeführt, bzw. Artikel 260 aa). Die 1969er Version sollte heute als maßgeblich angesehen werden. Die für diese Fahrzeuge erlaubten Änderungen sind denen für Spezial-Tourenwagen (Gruppe 2 von 1970 - 1975), wenn diese mit den homologierten Optionen für mehr als 100 Exemplare ausgestattet sind, weitgehend ähnlich. Alles verstanden ? Um es abzukürzen . Der 850TC Corsa und 1000 TC Corsa, ausgestattet mit dem Radiale-Zylinderkopf des seit 1965 produzierten 1000 OTR Coupe (Linksläufer), fuhren bis 1969 als Spezial-Tourenwagen in der Gruppe 5, wofür die FIA sich auch mit einer Jahresproduktionszahl von 25 Fahrzeugen zufrieden gab. Demgemäß trugen diese Fahrzeuge eine 5 im mittleren vorderen Karo auf der Dachhaut, und in 1969 auf dem nun ganz hochgezogenen Seitenstreifen in der C-Säule ebenfalls beidseitig eine 5, damit die frustierten Konkurrenten erkennen konnten, es ist ein TC mit über 110 PS aus 982 ccm unterwegs ! Damit schließt sich hier der Kreis mit dem oberen Seitenstreifen. Denn erst 1970 wurde der 850/1000 TCR mit dem Radialezylinderkopf in der Gruppe 2 homologiert, womit das Karodach und die oberen Seitenstreifen verschwanden. Als Ersatz kam dafür ein auflackiertes sogen. Balkenkreuz auf die Dachhaut und breite Seitenstreifen in Höhe über der Türfalzprägung, genau zwischen den nun deutlich breiteren vorderen und hinteren Kotflügelverbreiterungen. In 1970 alles in rot, in 1971 in blau. Dann war Schluss, weil Carlo Abarth wegen der ewigen Streiks in Italien die Faxen dicke hatte, seine Firma am Corso Marche deswegen manchmal nicht betreten konnte und deshalb an die FIAT verkauft hat.


    Wenn hier schon das Äußerliche ein Thema ist, sollte auch das sachkundige Augenmerk gerichtet werden auf die richtige GFK-Kühlerverkleidung vorn, flache Frontniere mit 8 offenen Gitterreihen und schmalen Seitenleisten, dahinter der Luftsammler mit Schlauchanschluss auf die Luftdüsen der Frontscheibe, schmale ABARTH-Haubenhaltergummis, Scheibenwischerpantograf mit 6" Wischerblättern, Alu-Zierleiste am Einstiegschweller (immer, incl. TCR !!!), schmale Radlaufverbreiterungen vorne und hinten in Stahlblech, 3-Bein-Motorhaubenaufsteller, eingenietete und pepunzte Auflagebleche im Heckdeckel, obere Heckblechfahne durchgängig nachgenietet mit pop rivets und eingeschweissten Knotenblech für die Motorträgerverstärkung. Und letztlich, weil unten kaum zu sehen, die jeweils 2 vorne und 2 hinten angeschweissten Drachenzähne für die Aufnahme des "quick jack" (Schnellwagenheber). Habe ich was vergessen ? Unterm Blech geht es dann erst richtig los. Aber das ist eine andere Geschichte.


    Viele Grüsse und einen Guten Start ins Neue Jahr in den ABARTH-Dschungel

    Klaus











    1966er Version 1000 TC Berlina Corsa Grp.2

    1966er 1000TC Corsa Gpr.2 , Flugplatzrennen Wien-Aspern 2.4.1967, Fahrer Horst Ranke aus Iserlohn


    1967er 1000 TC Corsa von Willi Kauhsen/Aachen, ist damit Tourenwagen Europameister (ETTC) in Div. 1 geworden. Das EE am Ende des Kennzeichens steht immer für ein unverzolltes Fahrzeug.


    1967 Startaufstellung ETTC Div.1, Circuit Terlamen Zolder/B

    1968er 1000 TC Corsa, Salzburgring/A

    1968er 1000TC Corsa Grp.5, Zandvoort

    1969er 850TC Corsa Grp.5, Nürburgring

  • Hallo Klaus, wie immer sehr detailierte Ausführung und das nur wegen einem Seitenstreifen. Hut ab vor deinem Wissen.

    Hoffe dieses Forum wird ewig aufrecht erhalten, damit wir die Erklärungen von Dir immer wieder Nachlesen können.

    Top! Danke viel mal, ein Gesundes glückliches neues Jahr wünsche ich Dir

    Grüsse aus der Schweiz

  • Ach Klaus....das Neue fängt ja gut an! ( ...für 2026 Dir immer eine handbreit Abstand zum nächsten Minni)


    Deinen Bericht hab ich mir kopiert -Jetzt muss ich zum Tapezierer und meine ganze Deko ändern.......


    Mein Traum war dann 1970 die Lackierung des Schweden-Autos: Blau mit weissen Kreuzen und weissem Hasenkasten.

    Ich glaub, das war mal Titelbild vom Rallye-Racing damals ........

    So hab ich auch meinen "Blender" ( Karosse 770 D - Technkteile alle von einem 63er TC) lackiert und die Gegend um Konstanz durchflutet. Und alle 2 Jahre der große TÜV-Ruckbau............

    Und frag bitte nicht, was ich mit der Karosse vom orginalen 63er gemacht habe, die war absolut rostfrei, ........................................................................................................................................................................................und

    ........................................................................................................................................................................................ich

    .........................................................................................................................................................................................war

    .........................................................................................................................................................................................so

    ..........................................................................................................................................................................................doof

    und habe das Teil als Ersatzkarrosse für einen auf das Dach gefallenen Orginal-600er Fiat umgekrempelt und verkauft.

    Ja, die FG-Nr. wurde ge- x - t und Carlos Blech erhielt eine Fiat-Nummer. Ich war halt jung und brauchte das Geld.........


    Ja, vorher hatte ich auch das Sw/wß.- Karodach drauf, und im Winter gab es immer etwas, was mich ungeheuerlich faszinierte:

    Der Schnee, welcher auf dem Karodach lag, war im Bereich der schwarzen Karos immer niedriger als auf den weissen!

    Da war mir der Porschespruch und -sinn mit den " Mohrenköpfen" deutlich klar!