Eine kleine Geschichte um Ärger mit der Werkstatt.

    • Official Post

    Was mir jetzt wieder passiert ist. Eine kleine Geschichte von und mit Chris und seinem Autobianchi.



    Es war ein schöner sonniger Tag im Juli als ich meinen kleinen roten nach der Lackierung endlich soweit hatte, dass ich ihn zu seinem terminierten Werkstattbesuch bringen konnte.


    Ich hatte mir dazu die örtliche Werkstatt ausgesucht, weil ich die Inhaber schon sehr lange kenne und auch weiß das man dort mit einem alten Italiener immer hinkommen kann. Auch weil ich anschließend zu Fuß

    nach hause gehen konnte. War ja nicht weit.


    Zumindestens habe ich bis zu diesem Zeitpunkt gedacht das ich sie kenne. Aber dazu kommen wir später.


    Auftrag war die Seitenverkleidungen wieder ankleben und Einstellarbeiten an Zündung und Gemisch. TÜV sollte eigentlich danach noch folgen.


    Wieso eigentlich die Seitenverkleidungen ankleben? Kenner wissen, die sind geschraubt.

    Ja, sind sie eigentlich auch, aber vor 20 Jahren, nach dem ersten Lackiererfiasko in Kiel Wellsee, wurden die Schrauben einfach von den vermutlich verdünner saufenden (Ironie) Lackierfuzzies abgesägt und die Teile angeklebt.

    Damals hatte man u. a. auch Blecharbeiten durchgeführt, man war jedoch wohl zu bequem neue Löcher zu setzen. Aber das ist eine andere Geschichte.



    Knapp 3 Wochen später, das ganze war ja nicht ganz so eilig, durfte ich mein Fahrzeug endlich wieder abholen.


    Ich betrete also voller Vorfreude endlich wieder mit meinem kleinen fahren zu können die Geschäftsräume und wurde anschließend vom Inhaber mit den Worten "komm mal mit" zu meinem Fahrzeug gebeten.

    Mir schwante übles. Hat was nicht gepasst, hat was nicht geklappt? Der Wagen soll doch fertig sein?

    Da geht einem in den 10 Sekunden Fußmarsch zum Stellplatz einiges durch den Kopf.


    Am Wagen angekommen die Offenbarung: Ein gut 30 cm langer Kratzer quer über den Kotflügel. Ein Mitarbeiter hätte ein Motorrad rangiert und dabei mein Auto getroffen, so die Aussage vom Chef.




    Merde...

    Aber zum Glück heilbar das ganze. Ist ja nur ein Lackschaden. Ich wurde entlassen mit der Auflage das ich das bei meinem Lackierer in Ordnung bringen und anschließend einfach die Rechnung einreichen soll.

    Die Klebearbeiten wurden zu meiner Zufriedenheit ausgeführt und der Wagen lief besser als vorher ;). Soweit so gut. Im nachhinein war das Gemisch gar nicht eingestellt, aber das waren 2 Minuten einstellen am Tester.

    Schwamm drüber.


    Werkstätten sind ja nun im allgemeinen versichert gegen Eigenverschulden. Schließlich kann so etwas im Werkstattalltag ja mal passieren.

    Ich bin da keinem böse, solange ich schadensfrei gestellt werde. Ich also nach hause gefahren. Der fällige TÜV ist verständlicherweise irgendwie komplett untergegangen.


    Ich habe einen Termin mit meinem Lackierer vereinbart, den Wagen hingebrachte und das ganze in Ordnung bringen lassen.

    Das Kratzerchen hat mich 1500.- € gekostet. War aber auch Spitzenarbeit, man sieht nun absolut nichts mehr von dem Schaden. Ich war zufrieden.


    Er hat mich sogar nach Hause gefahren und zur Übergabe wieder abgeholt. Ein toller Mensch. :)


    Ich hab seine Rechnung sofort bezahlt und anschließend zur Werkstatt gemailt.


    2 Wochen später....


    Ich wollte meinen Cinquecento zum einen vereinbarten Termin zur Werkstatt bringen, weil ich u.a. neue Bremsleitungen montiert haben wollte. Usw..

    An das Geld habe ich da nicht mal gedacht, Versicherungen brauchen in der Regel vielleicht auch mal ne Woche 2 länger. Ich wäre nicht mal auf die Idee gekommen das anzusprechen.


    Ich betrete also die Geschäftsräume, werde vom Inhaber abgefangen und in sein Büro geführt. Er schloss die Tür und setzte sich hinter seinen Schreibtisch.

    Ein Platz wurde mir nicht angeboten. Ich wusste bei solch einem Verhalten schon was kam. "Die Versicherung zahlt das nicht, wäre zu teuer" so die Aussage vom Chef. "Sowas kostet höchstens die Hälfte".


    Das restliche Gespräch war entsprechend sachlich kühl. Letztendlich war es mir persönlich eigentlich völlig egal wer was bezahlt, solange ich Schadensfrei gestellt werde.

    Mein Auto wurde in der Werkstatt von einem Mitarbeiter beschädigt und ich erwarte selbstverständlich eine zügige und vor allem vollständige Regulierung meines Schadens.

    Ich hätte absolut keine Lust irgendwen zu verklagen, wir sind erwachsene Leute und sollten das regeln können, so meine Aussage.


    "Wäre kein Problem wir haben Rechtsschutz". Tja, was soll man da noch sagen. Geile Aussage. Da war mir schon klar wohin die weitere Reise führt.

    Ich bin selbst Geschäftsmann und kenne solch ein ekelhaftes Verhalten aus 30 Jahren, stellenweise auch harten, Geschäftslebens.


    Ich hab nur noch gesagt das man das bitte mit der Versicherung regeln soll, ich will nur schadensfrei gestellt werden.

    Danach war das Gespräch beendet und ich durfte gehen.


    Mein Werkstattermin? Gestrichen!


    Was für ein Verhalten ist das denn bitte? Die bauen Scheiße an einem Kundenfahrzeug und der Kunde ist der blöde? Was für ein Kasperletheater ist das denn bitte? Ich war stinksauer.


    In den folgenden Tagen und Wochen ist erwartungsgemäß nichts mehr passiert. Auf Nachfragen via Email ob sich schon was ergeben hätte mit der Versicherung oder ob ich noch etwas tun müsste,

    kam bislang absolut nichts mehr. Ganz offensichtlich wollte man das stillschweigend aussitzen.


    Ich wollte schon meine Rechtsschutz und Anwalt aktivieren, da fiel mir ein das ich ja Vollkasko habe. Die hatten schonmal einen Lackschaden mit Fahrerflucht an meinem Fahrzeug ohne Probleme übernommen.


    Also angerufen bei meiner Versicherung und mein Anliegen vorgetragen. Die Dame am Telefon hat sich die Geschichte komplett angehört und auch nur gemeint, "das könne ja wohl nicht wahr sein" und bat um Anschrift der

    Werkstatt, Rechnung und Bilder. Man hat ja als Oldtimerversicherer selbst Sachverständige, die da mal drüber schauen.


    Ein kleiner Hoffnungsschimmer? Ja, letztendlich definitiv.


    3 Wochen später im Urlaub eine Email von der Versicherungsagentur: Man hätte gerne eine Kontonummer. Wollen die mir was bezahlen? Ja! Einen Tag später hatte ich die volle Schadenssumme, natürlich abzüglich meiner

    Selbstbeteiligung, auf dem Konto.


    An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Württembergische Versicherung für diese unkomplizierte und einfache Abwicklung.


    So muss so etwas ablaufen, mein lieber Werkstattinhaber.


    Und die Werkstatt? Ja die kann mich jetzt mal für alle Zeiten. Hoffentlich holt sich meine Versicherung da erstmal was wieder. Ich bin zum Glück nicht auf diese Werkstatt angewiesen.


    Fazit: Selbst wenn man Menschen ca. 18 Jahre lang vermeintlich gut kennt wird man eines besseren belehrt. Ich wünsche dir, lieber Werkstattinhaber, allzeit gute Geschäfte aber als Mensch hast du meiner

    Meinung nach zu kleine Ohren.

  • Der Typ hat keine Eier in der Hose, wäre das bei mir passiert hätte ich dir das Auto Lackieren lassen ( nach Absprache natürlich) und ohne Schaden zurück gegeben.

    ...wo gehobelt wird, fallen späne! die kunst ist wohl, das ganze vom negativen ereignis ins postive zu drehen. (positivwerbung)


    mir (höchstpersönlich) ist in den letzten (vor genau) 30 jahren ein dickes ding passiert...

    ich will rückwärts aus einer schrägen werkstatthof-stellplatzlücke rausfahren. steig ins auto ein, der v8-karren springt irgendwie nicht an, ich muss zweimal orgeln, dann geht's vermeintlich los... mit automatik nur eben mal von der bremse gegangen, angerollt, knirscht es tierisch. :/

    was war passiert - in der zeit meiner startversuche hält eine kundin mit ihrem auto relativ dicht hinterm fahrzeug. sie bemerkt nicht, dass ich im fahrzeug in der lücke sitze, auch nicht die leuchtenen bremslichter, um doch noch ein stück'l vorzufahren.

    die sachlage des knirschens: eine riesen beule genau mittig in der fahrertür!


    la cosa speciale - ein bmw e34, "volle hütte" & nagelneu - 29km(!) auf dem tacho - mit frischem umbau von ami-ausführung auf euro, und dazu eine umrüstung auf m-technik-paket original bei bmw.

    ...und die tür war nur noch schrott, die kundin war verständlicherweise "aus dem häuschen" und vermutete, dass ihr ehegatte explodiert oder schlimmeres. es war nicht leicht sie zu beruhigen, bis hin zum neuralgischen moment der telefonhörerübergabe durch sie an mich.


    dann...

    angebot eines kundenersatzfahrzeuges, incl. der detaillierten dokumentation der reparaturarbeiten (es war ein glück nur die glatte tür). den besten lackierer genommen, damit wirklich nichts zu sehen oder zu ahnen ist. ...und die eigentlich terminierte räderumrüstung incl. abnahme und leichter radlaufanpassungen ist "auf's haus gegangen".

    bei abholung hat der kunde sich dann sehr wohlwollend über das ergebnis geäußert, dazu noch 'nen glatten fuffi (DM) in die kaffeekasse gelegt.

    ...und so fast nebenbei kam noch das angebot, für (eher symbolisches) kleines geld, die übrig gebliebenen (fast neu-)teile von seinem m-technik-umbau bei ihm aus dem keller zu holen, es liegt ihm bloß im weg... :)


    wir sind im ergebnis sicher nicht mit "plus" raus gegangen, aber an der herausforderung gewachsen!

    "es ist wie es ist"! ...also aktiv dem kunden zeigen, dass man jetzt nicht planlos und nur auf den letzen f*cksechser aus ist. gerade bei kleinen firmen spricht sich ja das negative (und auch positive) schnell rum. mich hat die "geglückte" wiedergutmachung über die jahre im "schadensmanagment werkstattalltag" (ein glück sehr selten) mit dem kunden geleitet.


    btw:

    ich war dazu mehr als froh, dass sie im schadensmoment nicht schon den versuch des aussteigens angegegangen ist - nicht auszumalen...

    • Official Post

    Verbreitung von schlechtem Ruf und Geschäftsschädigung werden von Rechtsschutz nicht übernommen.

    Trau Dich die Werkstatt zu nennen ;)


    Oh man Chris, trotz stolpern ein Happy End. Auf wenn von jemand anderem. Viel Spaß!

    Mag sein, das die das nicht übernehmen. Aber das ist ja keine erfundene Geschichte und die darf man verbreiten.

    Die Werkstatt findet man auch so in höchstens 1. Minute wenn man meine Adresse sucht.


    Seinen guten Ruf möchte ich keinesfalls schmälern. Die geleistete Arbeit war ja in Ordnung. Nur der Umgang mit zumindestens einem Kunden und einer berechtigten Reklamation nicht. ;)


    Da stimme ich Enzos Aussauge auch voll zu. Keine Eier. Sowas bringt man einfach nicht.